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Wenn der Tag 50 Stunden haben sollte

"Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät?" Kennen Sie diesen Klassiker aus der Kindersendung "Paulchen Panther"? Für viele Alleinkämpfer und Solokrampfer ist das tägliche Realität. Kein normaler Mensch in einem Angestelltenverhältnis würde derart viele Stunden arbeiten wie es Selbständige tun. Würde ich für jede Arbeitsstunde CHF 10.- erhalten, dann wäre ich jetzt nicht im Büro, sondern würde irgendwo auf einer karibischen Insel hocken und von dort diesen Artikel schreiben.

 

Aber wie sagt meine Mutter immer: "Du hast das selber so gewollt!" Wirklich? Als ich damals die Schauspielschule besuchte, hat mir da jemand gesagt: "Irgendwann sitzt du von 7 Uhr bis 23 Uhr an einem PC und schreibst, planst,wirbst und das ohne Aussicht auf Besserung!" NEIN! Keiner hat mich davor gewarnt. Hört heute jemand "Schauspieler" dann kommen denen sofort Bilder in den Kopf wie: Ausschlafen bis 10 Uhr | Kaffeetrinken bis 12 Uhr | Leute treffen bis 16 Uhr. Kein Mensch ahnt, was es wirklich heissen kann, Schauspieler und Produzent zu sein. Vielleicht ist das ja auch gut so und ich bitte Sie verstehen Sie mich nicht falsch! Ich will hier keineswegs jammern oder mich beklagen, denn ich habe das ja selber so gewollt - jetzt klinge ich schon wie meine Mutter!

 

Da ich tatsächlich ein Solo-Unternehmer bin bleibt am Ende des Tages alles an mir hängen. Die kreativen Arbeiten wie Texte für die Bühne schreiben, Proben und Theterspielen benötigen die wenigste Zeit. Das geschieht dann noch "nebenher". Der grösste Zeitaufwand hingegen ist es, ein Projekt aufzugleisen, anzustossen, voran zu bringen. da kämpft man immer und immer wieder mit den selben Widrigkeiten. Firmen kontaktieren, finanzielle Unterstützung anfordern und irgendwie ermöglichen, dass das Budget nicht aus dem Ruder läuft sind Dinge, die von Mal zu Mal nicht einfacher werden.

 

Das Kòpfladäärnli ist die bisher intensivste Produktion in dieser Hinsicht. Obschon wir nur 10 Vorstellungen in der Offenen Kirche Elisabethen in Basel durchführen ist der organisatorische Aufwand enorm. Da ich in dieser Kirche meine erste Produktion veranstalte gibt es auch keinerlei Erfahrungswerte. Da passiert nun alles zum ersten Mal. Da ich keine unangenehmen Überraschungen erleben will und Fehler bereits bei deren Entstehung vermeiden möchte, zermalme ich mir das Hirn ob ich wohl nichts übersehen und an alles gedacht habe.

 

Rund 30 Menschen wirken mit. Hinter und auf der Bühne. Diesen gegenüber trage ich eine grosse Verantwortung. Ganz zu schweigen von den erwarteten 4'000 Zuschauerinnen und Zuschauer. Das nagt ganz schön an meinem Biorhythmus und nicht selten fällt es schwer, im Bett liegend den Schlaf zu finden. Jetzt während ich das schreibe versuche ich mit Anstrengung nicht dabei einzuschlafen. Irgendwann später, wenn ich schlafen sollte, bin ich dann hellwach. Gedanken schiessen mir durch den Kopf. Ständig habe ich den Drang mir eine Notiz zu schreiben, da mir wieder und wieder was einfällt was noch zu erledigen wäre, oder an was noch zu denken ist.

 

Meine Frau ist da sehr geduldig. Sie kommt in meinem momentanen Tagesablauf eher selten vor. Sie glaubt, dass das alles absehbar ist und wieder ruhigere Tage folgen. Da hat sie ja auch recht. Mit der ersten Vorstellung des Kòpfladäärnli 2019 wird etwas Ruhe einkehren. Jeden Abend die Bühne zu bespielen ist - das sage ich schon seit 33 Jahren - das Sahnehäubchen auf der Torte. In dem Moment in dem sich der Vorhang zum ersten Mal hebt, ist die allergrösste Arbeit beim Theater getan. Dann folgt die Kür...

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